Eine gute Tat am Tag.

Eine gute Tat am Tag

Neulich stand ich in der Schlange an der Kasse in einer Drogerie bei mir um die Ecke. Vor mir war ein Mann mittleren Alters. Schlank, graues Haar und Brille, wie sich herausstellte. Denn er drehte sich um, blickte mich an und fragte: „Möchten Sie vielleicht vor?“ Manchmal passiert es, dass die Menschen meiner Stadt einen an der Kasse vorlassen, weil man viel weniger im Einkaufswagen hat als sie. So blickte ich unweigerlich in meinen, dann in seinen Korb und stellte fest, dass ich nicht wesentlich weniger Artikel zu bezahlen hatte als er. Außerdem hatte ich Zeit. Also bedankte ich mich höflich und lehnte das freundliche Angebot ab.

„Sie haben mich damit um meine gute Tat gebracht“, sagte der Mann. Nicht vorwurfsvoll, aber bestimmt. „Bitte was?“, fragte ich. Er nehme sich jeden Tag vor, mindestens eine gute Tat zu vollbringen, erklärte er mir. Er helfe alten Damen über die Straße, hält Leuten die Tür auf oder schenkt mürrisch blickenden Menschen ein Lächeln. Heute gedachte er, mir eine Wohltat angedeihen zu lassen. Irgendwie sympathisch, fand ich. Zumal dem Mann offenbar eine gesunde Selbstironie in die Wiege gelegt worden war. Ich bat ihn um Entschuldigung, weil er sich nun für heute etwas Neues einfallen lassen müsse. Wir lachten, wünschten uns einen schönen Tag und sonst alles Gute im Leben.

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